Chat-Satire
Einer der Werbeslogan dieser Community:
Bei XXXXX warten mehrere hundert verschiedene Chaträume in sieben verschiedenen Kategorien auf Dich. Wähle durch Klick einfach eine Kategorie aus, ...
Beim Surfen stieß ich auf folgende Website:
http://the-ashley-tisdale-fanclub.sixgroups.com/blog/12017-knuddels-schertz-regeln
Trefflich werden in satirischer Form die Zustände geschildert, die in dieser Community herrschen. In allen Punkten kann ich dem Verfasser vegas777 nur beipflichten. Nachfolgend ein Auszug aus dieser Website.
knuddels schertz regeln (geschrieben von vegas777)
Family
Wenn man genug Fragen gestellt hat, andauernd bunt und fett geschrieben und die Mitchatter solange belästigt bis sie einen ignoriert haben, dann wird man Family. Familymitglieder haben zu Hause keine Eltern und suchen sich ihre eigene kleine Welt im Internet.
Fams können sich einen eigenen Channel machen, der so gut wie nie besucht wird. Und um die Sache zu erschweren wird der Channel mit einem "Passwortschutz" versehen damit auch keine ungebetenen Gäste reinkommen. Leider ist der Stalker James immer in dem Channel.
Desweiteren können sich Familymitglieder eine billige Homepage erstellen. Wenn man auf eine Homepage geht, wird man mit Pop-Up-Fenstern so zugespammt, dass der PC abstürzt. Natürlich geht man nach dem Neustart des Computers direkt wieder auf die Seite. Wenn man Glück hat und die Begrüßungsfenster übersteht, kann man sich die Homepage anschauen. Natürlich gibt es Unterschiede bei der Gestaltung:
Bei der Vielzahl der Mädchen sind häufig Glitter- oder SVV-Bildchen(selbstverletzendes Verhalten) enthalten (Bitte nicht mit SSV oder SUV verwechseln!)
Bei Jungs sind häufig einfach nur Autos, Bier oder nackte Weiber zu sehen.
Pflicht auf 97% aller Webseits ist es zudem, all die sinnlosen Inhalte mit einer Hintergrundmusik Marke "Hüpf Hüpf" zu versehen.
Nicht zu vergessen ist, das sich die Chatter gegenseitig die Bilder klauen. Das ist bei Knuddels Gesetz!
Familymitglieder haben auch noch die Möglichkeit ihr Herz an jemanden zu verschenken. Das passiert mit /heart . James fährt dann zu dem Chatter nach Hause und reißt demjenigen das Herz raus und überbringt es dann der gewünschten Person. Wenn man irgendwann mal kein Bock mehr auf die Person hat, die das Herz besitzt, kann man ihm dieses einfach entziehen. Oft müssen sich die Chatter deswegen einer ziemlich aufwendigen und kostenintensive Herztransplantation unterziehen
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Nur ein Chatter
Teil 1
Geburt und 1. Lebenstag
Als der kleine Chatter geboren wurde, war er 22 Jahre alt. Für kleine Chatter ist das ein normales Geburtsalter, fast schon ein bisschen zu alt. Aber Chatter werden eben zu unterschiedlichen Zeiten geboren. Als der kleine Chatter noch gar kein Chatter war, hatte er auch schon einen PC und konnte auch seine Programme anwenden, aber eines Tages hörte er von einer neuen Sache, die "In" wäre: das Internet. Viele seiner Kollegen redeten von heißen "Chats", die sie im Internet gehabt hatten und von "Blind Dates", die alle natürlich auf die gleiche Art ausgingen. Unser Kleiner meldete sich bei einem Provider an und kaufte ein Dutzend Internet-Zeitschriften. In einer der Zeitschriften las er über Chats und über den größten und besten: Metropolis.
Er tippt die Adresse langsam ein. h-t-t-p.... und murmelt die Buchstaben mit. Er hangelt sich durch die Einführung und schließlich landet er bei der Registrierung. Ein Nickname. Himmel, was nimmt man da? Er versucht seinen Vornamen - gibt es schon, sagt die Maschine. Vorname mit Alter? - auch schon. Die Maschine ist unerbittlich. Schließlich fällt ihm nichts mehr ein und er registriert sich als "Der kleine Chatter". Die Maschine wirft ihn im Metropolis ab. "98 Chatter online" verkündet das Eingangsbild. "Ab in den Chat"
Erstmal sieht der kleine Chatter staunend zu und liest sich durch die Onlineliste. Diese Namen! Fast tut es ihm leid, dass er keinen besseren Einfall hatte. Dann folgt er der Unterhaltung. Manches ist ziemlich albern, ein paar Zweideutigkeiten. Jemand erzählt einen Witz, aber den kennt der kleine Chatter schon. Die meisten anderen Chatter auch, wie er an den Kommentaren sieht. Nach dreimal Hingucken ist ihm auch die Bedeutung der Smileys klar, jedenfalls meistens. Bis sich jemand namens "fiese Bazille" einloggt und alle mit diesem Symbol begrüßt: :o) Was soll das denn jetzt heißen?
Plötzlich erhält er eine "private Mitteilung", sie flimmert rot im linken Frame: "Na Kleiner, neu hier?". Und jetzt? Was antwortet man darauf? Der kleine Chatter hat vor Aufregung feuchte Hände, tippt drei Buchstaben, löscht sie wieder. Äh - privat, wie war das noch? Ach ja, ankreuzen. Und wer hatte denn da geschrieben? - Zurückscrollen, Namen suchen. "Mädchen19". Wieder ans Ende, damit er den Chat nicht verpasst. Und was schreiben? Halt, erst "Mädchen19" anklicken. Ja, das geht. Jetzt schreiben. Geht nicht - ach, doch, erst wieder mit der Maus in das Feld klicken. Was schreibt man jetzt? Was intelligentes, nicht zu sehr, aber es muss doch Eindruck machen. Aber wenn es ihr zu abgehoben ist? Er schreibt. löscht. schreibt. löscht. Schließlich entscheidet er sich und tippt: "Ja". Enter.
Er schaut wieder in die rechte Seite, seine Meldung müsste jetzt dort auftauchen. In rot, das hat er schon verstanden. Die rote Schrift am Ende taucht auf: "Mitteilung vom Channelmaster: Mädchen19 ist nicht mehr online".
Immerhin kann er heute Abend seinen Kollegen erzählen, er sei von einem Mädchen angebaggert worden. Zufrieden beendet der kleine Chatter seinen ersten Lebenstag und schaltet den PC aus.
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Nur ein Chatter
Teil 2
2. Lebenstag
Der kleine Chatter kommt von der Arbeit und wirft sofort den PC an. Gestern war er ja nicht so erfolgreich, aber irgendwann muss es doch klappen... Metropolis hat er schlauerweise gebookmarked. Log-in, Nickname und Password eingegeben. Ab in den Chat. Er hat schon was gelernt, jetzt begrüßt er alle freundlich "Hallo, zusammen". Antwort bekommt er natürlich nicht, und "Mädchen19" ist auch nicht online. Etwas frustriert sieht er wieder den anderen zu.
Ein paar Mal versucht er, einen weiblich klingenden Nick anzusprechen, und nach einigen Versuchen ist er erfolgreich, sie grüßt zumindest zurück. Langsam tastet er sich nach vorn, frag sie nach ihrem Alter und Wohnort. Aber er muss lange auf die Antwort warten. Es kommen immer mehr Leute und der Chat wird ziemlich langsam, außerdem wiederholen sich Teile des Chats einige Male. Unser kleiner Chatter ist ein wenig genervt und tippt ganz mutig an die Allgemeinheit: "Ich bin neu hier, kann mir jemand sagen, warum das hier so langsam geht?". Keine Antwort.
Er schickt es noch einmal. Oh, doch eine Antwort. Der Schmähbruder: "Kleiner Chatter: Einfach Alt+F4 drücken, dann geht es schneller." Der kleine Chatter bedankt sich artig. Er sieht noch eine Message von yolanthe: "Schmähbruder... kannst es nicht lassen *grins*" , dann drückt er die Tastenkombination - und steht wieder im Windows. Chat ist aus, Explorer ist aus. Totaler Absturz. Erst da fällt ihm ein, dass diese Tastenkombination generell die Programme beendet. Das hätte ihm doch auffallen müssen! Er schimpft sich selbst einen Esel und startet wieder von vorn. Explorer ein, Metropolis. Log-in. Und was steht dort: "Kanal Metropolis (105), voll"
Fluchend schwört sich der kleine Chatter, nie, aber auch nie wieder einen Fuß ins Metropolis zu setzen und schaltet den PC aus.
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Nur ein Chatter
Teil 3
3. Lebenstag - erste Chatliebe
Eine Woche hat sich der kleine Chatter nach der Enttäuschung zurückgehalten. Aber schließlich landet er doch wieder im Metropolis, begrüßt die Anwesenden und erhält (wie immer) keine Antwort. Er weiß aber längst, dass nur den Stammchattern geantwortet wird, und deshalb macht es ihm nicht ganz so viel aus und er liest sowieso nur mit. Plötzlich sieht er, daß sich "Mädchen19" einloggt, er wird ganz nervös, aber er weiß, wenn er sie zu früh anspricht, sieht sie es vielleicht noch nicht, weil sie vorher ihre Metromail liest oder von anderen angesprochen wird. Mühsam beherrscht er sich zwei Minuten.
Sie wirft ein lässiges "Hallo" in den Chat, bekommt keine Antwort und der kleine Chatter sieht darin seine Chance. Ein private Message an Mädchen19: "Hallo, wie geht es dir?". Enter. Es ist getan! Er hat sie angesprochen! Mit Herzklopfen beugt er sich vor, die Nase dicht am Bildschirm. Wird sie antworten? Eine Minute, zwei Minuten. Da! "Hallo, kleiner Chatter. Schön dich zu sehen." Der kleine Chatter schlägt sich vor Freude auf die Schenkel... sie hat geantwortet! Ihm! Eifrig tippt er zwei Fragen an sie - er weiß nicht, dass gerade diese Fragen absolut ausgeleiert sind und dass sie jede Frau im Chat nerven - die Fragen brennen ihm auf den Nägeln, und so fragt er sie nach Name und Wohnort. Die Antwort fällt anders aus, als er erhofft hat: "Bah, immer die gleichen blöden Fragen" und Mädchen19 scheint in unerreichbare Ferne gerückt.
Der kleine Chatter ist verzweifelt. Jetzt braucht er eine Idee, aber sein Gehirn scheint sich verflüssigt zu haben... was tun? Er liest, was die anderen so öffentlich in den Chat schreiben... meist wird geknuddelt, aber das scheint ihm dann doch zu gewagt zu sein. Dann loggt sich Chefkoch ein, und wird von allen Seiten bestürmt, etwas Essbares zu fabrizieren und der kleine Chatter hat eine Idee. An Mädchen19: "Ich wollte eine Torte backen, mit deinem Namen darauf und sie zu Dir schicken.". Die Antwort lässt auf sich warten, der kleine Chatter kaut auf seinen Nägeln. Da, die Antwort: "das ist ja süß... *knuddel*". Sie hat ihn geknuddelt! Er kann es nicht fassen...
Aufgeregt tippt er weiter und sie antwortet weiter, es ist zu schön um wahr zu sein. Dann sagt sie, sie habe keine Zeit mehr, und ob er morgen zur gleichen Zeit wieder hier wäre. Er verspricht es ihr und schaut zu, wie sie den Chat verlässt. Und auf Wolken schwebend beendet er ebenfalls den Chat. Er hat seinen Kollegen heute abend viel zu erzählen, schließlich ist sie jetzt "sein" Mädchen.
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Nur ein Chatter
Teil 4
Der 4. Tag
Der kleine Chatter schaltet den PC ein. Er weiß ja immer noch nicht, wie "Mädchen19" wirklich heißt und wo sie wohnt. Aber er hat den ganzen Tag an sie gedacht und in seinen Gedanken ist sie wunderschön. Auch jetzt seufzt er verklärt, als er an sie denkt. Sie ist noch nicht da. Er schaut auf die Uhr - eigentlich ist das doch ihre Chatzeit? Naja, um die Zeit nicht allzu lang werden zu lassen, spaziert er ein bisschen in Metropolis herum. Hier gibt es ja noch mehr, als nur den Chat. Er landet in den News. Die Themen sind nicht so überaus interessant, ein Valentinsgruß, ein anonymer Antifaschist, jemand sucht eine Wohnung... aber da: "Die wichtigsten Regeln für Chatneulinge".
Begeistert öffnet er das Dokument, Tipps kann man ja immer gebrauchen. Naja, Begrüßungsregeln, die findet er schon recht seltsam. Dann werden die Fragen, die er auch immer stellt, als wichtig angegeben. Gut, hat er wenigstens nichts falsch gemacht. Zuletzt sagt der Autor, er habe allerdings mit diesen Regeln auch noch nie Erfolg gehabt und bei Punkt 11 kommen dem kleinen Chatter Zweifel über die Ernsthaftigkeit des Beitrages. Unten steht eine Eingabemöglichkeit für einen Untereintrag. OK, denkt der kleine Chatter, versuchen wir es mal. Er frag natürlich erst einmal, ob das alles ernst war, und dann wird er eine wichtige Frage nach der anderen los. Die wichtigste ist natürlich: "wie schafft man es, von einem Stammchatter gegrüßt zu werden?" Herzklopfend schickt er den Beitrag ab, schaut noch mal auf Rechtschreibfehler und dann schickt er es endgültig. Dann aktualisiert er die News. Ja - da steht sein Beitrag. Er muss ihn unbedingt noch einmal aufrufen und ansehen.... ja, ist OK, aber das mit der Schuhgröße hätte er besser weglassen sollen. Naja, lässt sich nicht mehr ändern.
Er geht wieder in den Chat, aber Mädchen19 ist immer noch nicht da. Er wird unruhig. Ob sie einen Freund hat? Oder einfach nur so nicht da? Es kann ja so vieles dazwischen kommen. Er zählt innerlich alle Möglichkeiten auf, sie sind alle akzeptabel, aber er hat doch richtig Sorge, dass sie schon in festen Händen sein könnte. Chatten macht auch so keinen Spaß, trotzdem er gerade von einer "Laura100" angesprochen wird, aber er ist einfach nicht richtig bei der Sache. Er verlässt den Chat.
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Nur ein Chatter
Teil 5
Die 3. Woche
Der kleine Chatter kommt von der Arbeit. Eigentlich ist er ja mit seinen Freunden verabredet, aber er will doch noch mal kurz in die News schauen. Antwort von Ember:
"als erstes möchte ich dich mal grüßen, damit du auch mal von einem Stammchatter gegrüßt wirst. und keine angst. die schuhgröße hat keinen Einfluss auf die onlinezeit, sonst hätte sunmaster entweder latschen wie öltanker *sun zu zwinker* oder ich hätte mehr online zeit als er. *gg* hat also nix miteinander zu tun."
Hm, irgendwie versteht er den letzten Absatz nicht so recht, wer ist sunmaster und überhaupt? Aber ein Stammchatter hat ihn gegrüßt! Der kleine Chatter ist ganz stolz. Jetzt wüsste er nur noch gerne, ob ember männlich oder weiblich ist. Bei "Mädchen19" ist das irgendwie einfacher. Leider klingeln gerade seine Freunde an die Tür und er schaltet den PC aus.
Der kleine Chatter und das große Chattertreffen
Als der kleine Chatter den Hinweis auf das Chattertreffen in Essen sah, fasste er sofort den Entschluss, auch daran teilzunehmen. Und vor allem: wenn "Mädchen19" ihn auf der Liste sähe, würde sie vielleicht auch kommen... So ließ sich der kleine Chatter bei Nemesis registrieren und nach einigen Rückfragen, z. B. ob die 25 DM Eintritt oder für das Essen seien oder ob das Essen in Essen extra bezahlt werden müsste und was wäre wenn er gar nicht essen wollte und wie das mit dem Hotelzimmer sei. Nemesis verwies ihn freundlich, aber bestimmt nach der dritten Anfrage an yolanthe, die für ihn das Hotelzimmer buchte und ihm sicher bestätigte, dass sein Realname auch wirklich geheim bleibe, ebenso wie seine Adresse und Schuhgröße. Nach weiteren zwei Mails wusste er auch, dass er keine Handtücher mitbringen brauchte und dass das Frühstück im Preis inbegriffen wäre.
Der kleine Chatter freute sich mächtig auf das Treffen und kontrollierte jeden Tag die Anmeldeliste nach "Mädchen19". Aber dann war die Anmeldefrist herum und die Abmeldefrist auch, aber er tröstete sich damit, bei dem Treffen jede Menge Stammchatter kennenzulernen, schließlich hatte er bereits einige Vorstellungen davon, wie diese sein müssten.
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Nur ein Chatter
Teil 6
Die 3. Woche / Nr. 2
Der große Tag ist da! Samstag, 28. Februar 1998, sechzehnuhrfünfundzwanzig: der Kleine Chatter betritt das Foyer des großen Hotels und fragt ein wenig schüchtern nach seinem Einzelzimmer. Es ist auf dem gleichen Flur, wie der Saal, das hört er gleich und außerdem hört er einige Frauen kichern. Verstört bringt er erst einmal sein Gepäck ins Zimmer. Richtig, Handtücher sind auch da, obwohl er vorsichtshalber doch eines mitgebracht hat. Naja. Er kämmt sich noch mal die Haare, schaut, ob er keine Speisereste an den Zähnen hat und ob er Geld und Zigaretten eingesteckt hat. Dann taucht er sich noch einmal heftig in sein After Shave und verlässt, eine Wolke des Wohlgeruchs nach sich ziehend, das Zimmer. Noch immer Frauengelächter auf dem Flur. Er schluckt, aber er muss ja dran vorbei.
Drei stehen vor dem Eingang, vor sich auf einem Tisch etliche bunte Buttons liegend. Sie fragen nach seinem Namen, er bezahlt den Eintritt und die eine, die blonde, kommt sogar auf ihn zu und befestigt den Button direkt an seinem Hemd. Das macht ihn nervös, vor allem, weil die anderen ständig von "piercen" reden. Aber es geht gut, außer dass Nemesis von seinem After Shave niesen muss. Vielleicht war es doch zu viel. Im Saal herrscht buntes Treiben. In erster Linie sieht man Leute, die sich mit schräg gestelltem Kopf auf den Brustkasten sehen. Buttons lesen. Einige kommen auf ihn zu, lesen seinen Namen und sagen "komisch, noch nie gesehen..." und drehen sich sofort wieder weg. Aber ein paar freundlichere gibt es auch. Nur wenn sie ihn nach seine Zugehörigkeit zum Metropolis fragen, wird es schwierig. Bei seiner Angabe "ein paar Wochen", lächeln sie und drehen auch schnell wieder ab. Es stört ihn. Beim nächsten Mal sagt er: "Ja so ein paar Monate" und siehe, er kommt schon besser ins Gespräch. Zur Not kann er sich immer herausreden, er würde zu ganz anderen Tageszeiten chatten.
Eine hat einen Hund mit, das gefällt ihm. Das Tier verläuft sich in die Küche und wird von einem mürrischen, affektiert redenden Kellner wieder hinausgeworfen. Der kleine Chatter setzt sich an einen freien Tisch im Saal und betrachtet die Leute. Sehr gemischte Gesellschaft, da sind doch tatsächlich Leute um die 40 dabei... das hätte er nicht gedacht. Er hat sich alle Chatter immer jung und studentenmäßig vorgestellt, aber hier sieht es eher aus, wie auf einer Familienfeier. Einige Chatterinnen tragen Miniröcke (das war mal ein Gag in den News, der ihm sehr gefallen hat), einige tragen noch kürzer als Mini und er starrt verlegen woanders hin. Alle Leute scheinen sich durcheinander zu bewegen, also geht er auch ein wenig herum, ebenfalls mit schräg gelegtem Kopf, um die Nicknamen zu lesen. "Sunmaster" - der Rekordhalter der Onlinezeit. In seiner Vorstellung war das immer ein strahlender Held, mindestens 1.80 groß, breite Schultern.... naja, einen Teil seiner Vorstellungen muss er eben revidieren.
"Zauberin von Oz" - das ist die, die ihm immer hilft, wenn er nicht weiter weiß. Sie schaut so lieb aus und sie spricht sogar mit ihm. Jetzt gefällt es ihm schon besser hier. Das Essen in Essen ist essbar, Pardon, einigermaßen gut. Als die meisten Chatter satt sind, wollen einige tanzen und räumen Tische zur Seite. Der kleine Chatter tanzt nicht gerne, er sieht dabei immer so unbeholfen aus, aber er schaut auch gerne zu. Plötzlich entsteht ein riesiger Trubel und er sieht, wie eine Frau auf einen Tisch gehoben wird - stimmt, jetzt fällt es ihm ein, man hatte ja Tabledancing angekündigt. Voller Vorfreude drängt er sich nach vorne, aber die Frau springt gerade in diesem Moment unter Blitzlichtgewitter vom Tisch. Der Einsatz war wohl doch nicht geplant, schade.
Im Laufe des Abends wird viel getrunken, auch der kleine Chatter trinkt einige Bierchen und unterhält sich danach sehr angeregt mit einigen Chatterinnen und manchmal auch mit Chattern. Den DJ findet er voll in Ordnung, der ist echt professionell und der kleine Chatter schaut ihm bewundernd zu. Wow - so ein DJ in seinem Heimatort und er würde sich nie wieder nach der Großstadt sehnen. Die Stimmung wird immer besser, feuchtfröhlich und manchmal erwischt er auch einen heimlichen Schluck aus der heimlichen Tequila-Flasche, die unter den Tischen kursiert. Und kleine Feiglinge, die mühsam und geheimnisvoll vor den Kellnern versteckt und dann von allen in der Runde lautstark auf den Tisch geklopft werden... Die Kellner stellen sich blind und vor allem taub und so gibt es keinen Ärger.
Bis spät in die Nacht feiern die Chatter, aber so gegen drei fällt der kleine Chatter in sein Bett, von der Feier hört er kaum etwas, er ist viel zu angetrunken. Aber es hat ihm gut gefallen, denkt er beim Einschlafen. Wenn nur "Mädchen19" hier gewesen wäre....
Am "Morgen danach" sitzt ein Großteil der Chatter im Frühstücksraum, alle ohne Button (der kleine Chatter nimmt seinen blitzschnell ab und steckt ihn in die Tasche). Keiner kennt keinen, und irgendwie sehen alle anders aus... das Licht ist erbarmungslos und scheint auf Augenringe, blasse Gesichter und schwere Lider. Kollektivgähnen und nur leise Unterhaltungen. Der kleine Chatter findet nette Aufnahme an einem Tisch, obwohl er nicht einen einzigen Chatter daran mit Namen nennen könnte. Aber das ist nicht so wichtig, der Kellner mit dem Kaffee ist viel wichtiger... Die Kellner sind übrigens die gleichen wie am Abend und von denen sieht auch keiner besser aus als die Chatter. Gefrühstückt wird bis gegen 13.00 Uhr, dann ist Aufbruchstimmung. Alle wünschen sich gute Heimfahrt, knuddeln sich noch mal herzlich, und der kleine Chatter bekommt auch ein paar Knuddel ab, weil ja keiner weiß, dass er noch kein Stammchatter ist. Aber er nimmt sich ganz fest vor, einer zu werden. Jawohl!
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Nur ein Chatter
Teil 7
Der kleine Chatter und die Liebe
Nach vielen Wochen und Monaten im Chat und nach der Vereinbarung mit seinen Eltern, die Telefonrechnung künftig selbst zu zahlen, nach ca. 80 Gesprächen und ebenso vielen E-Mails mit Mädchen19 hat es der kleine Chatter endlich geschafft: sie will sich mit ihm treffen!
Er wohnt im Ruhrgebiet, sie wohnt in Süddeutschland. Das heißt sparen, vor allem, weil das meiste Geld für die Telefonrechnung draufgeht. Aber schließlich ist der große Tag da und der kleine Chatter sitzt im Intercity Richtung Süden. Sechs Stunden dauert die Fahrt. Sechs Stunden überlegt er, wie SIE aussehen mag, denn Fotos wollte sie nicht austauschen. In seinem Kopf ist sie zu einer Mischung zwischen Claudia Schiffer und Dornröschen geworden, schön, elegant, groß und einfach umwerfend. Der kleine Chatter ist in sein eigenes Bild von "Mädchen19" so verliebt, dass er sich nicht auf seine Zeitschriften konzentrieren kann. Er träumt von ihr, von der Begegnung und ziemlich viel, wie dieses Wochenende ausgeht und daß er das Hotelzimmer vielleicht gar nicht braucht oder auf Doppelzimmer umbuchen muss. Er überlegt sich, wie er sie mit zu seinen Freunden nimmt und ihn alle bewundern, daß er diese Schönheit aus dem Internet gefischt hat. Beate heißt sie. Ach, Beate...
München Hauptbahnhof. Sie haben sich am Bahnsteig verabredet, ganz vorn, wo die Lokomotive steht. Sein Platz war in der Mitte des Zuges, also muss er noch ein wenig nach vorn laufen. Er ist aufgeregt und hat gleichzeitig Angst, dass er ihr nicht gefallen könnte. Seine Hände sind ganz verschwitzt. Peinlich. Ob er ihr besser nicht die Hand gibt und sie vielleicht gleich in den Arm nehmen soll? Dann merkt sie die feuchten Hände vielleicht gar nicht. Oh Gott! - Hoffentlich riecht er nicht nach Schweiß. Es ist Herbst, kalt draußen, und er hat das Gefühl, in seiner Jacke zu verdampfen. Jetzt ist das vordere Ende des Zugs erreicht. Keine blonde Schönheit in Sicht. Sie ist nicht da! Ich wusste es ja, sie kommt gar nicht erst! Er ist völlig verzweifelt, bleibt stehen und schaut sich um.
Da zupft ihn jemand an der Jacke. "Bist du Markus?". Er dreht sich um, sieht im ersten Moment niemanden und senkt dann seinen Blick. Da steht ein Mädchen, 20 cm kleiner als er, blonde ausgeblichene Dauerwelle. Mehr sieht er nicht, bis sie ihn ansieht, graue Augen hinter Brillengläsern. Er schluckt. "Ich bin Bea" sagt sie leise. Er schluckt noch mal, schluckt all die Illusionen und Bilder hinunter und sagt Hallo. Auf dem Weg zur U-Bahn sieht er sie verstohlen von der Seite an. Sie ist so unscheinbar. Gut, dass er nur zwei Tage in München bleibt, die wird er schon irgendwie überstehen.
Verlegen schweigend bringen sie seine Reisetasche ins Hotel und gehen in ein Café in der Nähe. Jetzt sitzen sie sich gegenüber und der kleine Chatter kann es kaum vermeiden, sie anzusehen. Sein Mädchen19, das so witzig und intelligent mit ihm im Chat geflirtet hat - das soll diese kleine graue Maus sein? Sie rührt angelegentlich in ihrem Kaffee. Dann schaut sie auf und ihm direkt in die Augen. "Du bist enttäuscht" stellt sie fest und senkt den Blick nicht wieder. Irgendwie ist ihm das unangenehm. "Nein, nein" beeilt er sich zu sagen, aber er hört selbst, dass es nicht ehrlich klingt. Sie hört es auch.
Vor lauter Verlegenheit beginnt er zu erzählen, über sich, seinen Job, seine Freunde. Über das Internet, über seine Familie und über seine kleinen Sorgen. Sie hört zu, sie hört richtig zu und ihre Bemerkungen sind nie oberflächlich. Als ihm das klar wird, stockt er und schaut sie wieder an. Sie gefällt ihm schon besser, irgendwie. Und sie lächelt ganz sympathisch. Er bittet sie, von sich zu erzählen und das tut sie auch. Er merkt, dass er ihr gerne zuhört.
Als der kleine Chatter sonntags im Zug nach Hause sitzt, hat er nicht die große Liebe gefunden, die er sich erhofft hat. Keine Traumfrau, mit der er seine Freunde beeindrucken kann. Aber eine gute Freundin, die zuhören kann und die ihn versteht. Der kleine Chatter lächelt. Richtig gute Freunde findet man selten.
© Andrea Kalmer 1999
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Coole Chat - Stilblüten
Ja, es gibt sie, Chatwerke. In meiner Chatzeit durfte ich genügend Chatwerke lesen in Form von Gedichten, Diskussionsthemen, Beschwerden, vor allem aber im Chat. Insbesondere in kostenlosen Chats, in die sich Gäste ohne anmelden einklinken können, sind eine Zitatfundgrube. Hier nur ein paar Zitate:
User: mom alle, meine tür klingelt grad
Gast: ich heiß bloß jetzt gast, weil ich vergessen hab mich einzuloggen.
User1: geht’s dir gut?
User2: nee, ich tele
Gast: in echt heiß ich anders, gast ist nur mein chatname
Gast: hey, bin der benn, 23 62kg ohne bauch
User: ich chette mit ne fläträt
User: ich glaub, ich fall ins komma
Gast: möchte jemand mit mir chatten? bin 20, brünett, hübsch, sexy, schlau und hab geld! bitte melden
Gast: bin neu 33 m gebunden 182 hab haus hof kinder …….. wollt ihr noch was wissen?
In dieser Form kann man fortwährend Stilblüten lesen. Aber grad dies macht chatten unterhaltsam. Überdies ist chatten in den meisten Chats kostenlos. Ich stöber gerne in den Chat-Foren. Zwar findet man kaum stilistisch gefeilte Beiträge, dafür viel zum Schmunzeln. Meine persönliche Meinung, … ausprobieren. Als Gast in einen kostenlosen Chat einklinken, mit chatten, mit lesen und Spaß haben.
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Chat-Smilies
Emos auch Emoticons genannt, sind inzwischen in der Chatwelt weit verbreitet. Die Meinungen über die Emos gehen allerdings weit auseinander.
Ein erst in letzter Zeit aufgekommener Begriff ist das Wort Chatsymbole. Dabei hat die Entstehungsgeschichte der Smilies keinerlei Zusammenhänge mit dem Chatten. Den Grundstein der heutzutage in Chats meist animierten Emoticons, legte im Dezember 1963 der Werbegrafiker Harvey Ball, der den ersten Smilie zeichnete.
Beim Chatten fehlt eine wichtige Komponente, das Sehen des Gegenübers und damit das Sehen des emotionalen Effektes über das Geschriebene. Anfänglich drückten Chatter ihre Emotionen über Tastenkürzel aus. Bald folgten in einigen Chats nicht animierte Smilies. Zwischenzeitlich sind die meisten Emos animiert. Da im Inet eine unüberschaubare Menge dieser Emos zur kostenlosen Benutzung angeboten werden, setzte eine regelrechte Emoflut ein.
Ein gut gezeichnetes Emo kann sicherlich oft mehr ausdrücken, als gut formulierte Worte. Das wäre das Pro.
Aber, … Chatten bedeutet schriftliche Kommunikation. Übermäßiger Gebrauch, insbesonders großer Emos, führt oft in Chats zu Reibereien zwischen den Usern.
Allerdings können zu häufig eingesetzte Emos die Gespräche anderer stören.
Das wäre das Kontra.
In dieser Situation muss die Vernunft beider Seiten einsetzen. Zum Beispiel gibt es in fast allen Chats die Ignofunktion. Aber auch die Emofanatiker sollten emofreie Pausen einlegen und ihr Gespräch über Worte führen.
Meine persönliche Meinung, maßvoll und passend eingesetzt können Emos ein Chatgespräch bereichern.

                   
                   
                   
                   
                   
                   
   
chatten, und die Rechtschreibung?
Führt chatten zur Vermehrung von Rechtschreibfehlern bei Chattern? 
Ganz ehrlich ein deutliches JA!
Keinesfalls kann es jemandem schaden, der die Rechtschreibung sicher beherrscht. Allerdings besteht ein Risiko für jüngere Chatter.
Obwohl ich selbst regelmäßig chatte, muss ich gestehen, dass es leider teilweise haarsträubend ist was an Rechtschreibfehlern fortwährend produziert wird. Oftmals werden simpelste Worte falsch geschrieben. Liest man aufmerksam mit, so erkennt man rasch, wann es sich um Tippfehler handelt und wer einen Rechtschreibbolzen nach dem anderen in den Raum postet.
Wie soll man sich verhalten?
Normalerweise ignoriere ich so etwas. Zeitweilig allerdings flüsterte ich die Korrektur Mitchattern zu. Die Reaktionen gehen da weit auseinander, während der eine – Danke – zurückflüstert, kommt vom anderen – Besserwisser – und zeitweilig noch ganz andere Worte zurück.
Allgemein bleibt anzumerken, dass Chatter sich um eine korrekte Schreibweise bemühen sollten. Schließlich und immerhin befinden sich oftmals junge Chatter mit im Raum, die sowieso noch in der Rechtschreibung unsicher sind.
Das Schlimmste allerdings ist die absichtliche Sprachverstümmelung. – hey – jepp – jo – alda – plöde – usw. So etwas kann hin und wieder eingesetzt vielleicht spaßig sein, aber zunehmend beobachte ich, dass viele sich nicht mehr in Sätzen unterhalten, sondern nur sinnlos solche verstümmelten Wortbrocken in den Raum posten. Das besitzt keinerlei Gemeinsamkeit mehr mit chatten.
Zum Glück gibt es noch genügend Chatter, die fähig sind sich vernünftig zu unterhalten.
Meine Devise lautet: Eine Möglichkeit Langeweile zu vertreiben ist sich in einen kostenlosen Chat einklinken, chatten, Kontakte knüpfen, flirten. Chats mit Gastzugang ohne anmelden ausprobieren. Kostenlos chatten ist oft besser chatten.
                   
                   
                   
                   
                   
Instant Messenger
Wer kennt sie nicht, die berühmten Instant Messengers, die von zahlreichen Internetdiensten angeboten werden. Trotz des hohen Bekanntheitsgrades ist es erstaunlich wie wenig diese kleinen Zusatzprogramme privat genutzt werden. Dabei können diese Programme auch in Privathaushalten nützliche Dienste leisten.
Anhand einiger Beispiele erläutere ich dies kurz.
Urlaub! Über die meisten Messengers ist es seit langem möglich zu telefonieren. Zwischenzeitlich bieten die meisten Hotels kostenlosen Zugang zum Internet, entweder über Hotel eigene PC's, oder man kann mit eigenem Notebook das Hotelnetzwerk mitbenutzen. Auslandsgespräche waren und sind teuer. Benutzt man die Messengers kann man weltweit kostenlos telefonieren. Ob mit Webcam oder ohne ist jedem selbst überlassen.
Ein anderes Beispiel, ein Einfamilienhaus mit mehreren Stockwerken. Auch in vielen Privathaushalten befinden sich zwischenzeitlich oft mehrere am Inet angeschlossene PC's und oftmals sind diese auf verschiedene Stockwerke verteilt. Durch Messengers kann man hausintern sich gegenseitig kurze Mitteilungen übersenden. (Natürlich nur wenn der "Empfangs-PC" eingeschaltet ist und jemand davor sitzt.)
Auch das Hinterlegen kurzer Nachrichten über Messengers ist eine nützliche Einrichtung.
Das oftmalige Gegenargument über Messengers würden Computerviren verbreitet, trifft nicht ganz zu. Denn wer Nachrichten übermitteln will muss erst eine Anfrage senden, ob er in die Messengerliste aufgenommen wird. Generell sollte man Anfragen von unbekannten Personen wegklicken. Damit schließt man einmal das Risiko unliebsamer Texte aus, zum anderen ist man vor "Computer-Viren" über den Messenger damit sicher.
Die geringe Größe der Messengerprogramme ermöglicht es verschiedene Dienste gleichzeitig auf einem PC oder Notebook zu installieren. Durch die Vielfalt der verschiedenen Programme entsteht nämlich leider der Nachteil, was XYZ benutzt ist ZYX unbekannt, usw.. Um reibungslos mit Messengers im Inet zu kommunizieren sollte man die großen Anbieter alle installieren.
Was Messenger nicht bieten ist das kommunizieren mit "Unbekannten". Kurz auch chatten genannt. Wer gerne über das Inet neue Bekanntschaften schließen möchte, für den gibt es zahllose Chats. Die meisten Chats sind kostenlos und in vielen Chats kann man sich als Gast einklinken.
                   
                   
                   
                   
                   
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