Nur ein Chatter
Teil 6
Die 3. Woche / Nr. 2
Der große Tag ist da! Samstag, 28. Februar 1998, sechzehnuhrfünfundzwanzig: der Kleine Chatter betritt das Foyer des großen Hotels und fragt ein wenig schüchtern nach seinem Einzelzimmer. Es ist auf dem gleichen Flur, wie der Saal, das hört er gleich und außerdem hört er einige Frauen kichern. Verstört bringt er erst einmal sein Gepäck ins Zimmer. Richtig, Handtücher sind auch da, obwohl er vorsichtshalber doch eines mitgebracht hat. Naja. Er kämmt sich noch mal die Haare, schaut, ob er keine Speisereste an den Zähnen hat und ob er Geld und Zigaretten eingesteckt hat. Dann taucht er sich noch einmal heftig in sein After Shave und verlässt, eine Wolke des Wohlgeruchs nach sich ziehend, das Zimmer. Noch immer Frauengelächter auf dem Flur. Er schluckt, aber er muss ja dran vorbei.
Drei stehen vor dem Eingang, vor sich auf einem Tisch etliche bunte Buttons liegend. Sie fragen nach seinem Namen, er bezahlt den Eintritt und die eine, die blonde, kommt sogar auf ihn zu und befestigt den Button direkt an seinem Hemd. Das macht ihn nervös, vor allem, weil die anderen ständig von "piercen" reden. Aber es geht gut, außer dass Nemesis von seinem After Shave niesen muss. Vielleicht war es doch zu viel. Im Saal herrscht buntes Treiben. In erster Linie sieht man Leute, die sich mit schräg gestelltem Kopf auf den Brustkasten sehen. Buttons lesen. Einige kommen auf ihn zu, lesen seinen Namen und sagen "komisch, noch nie gesehen..." und drehen sich sofort wieder weg. Aber ein paar freundlichere gibt es auch. Nur wenn sie ihn nach seine Zugehörigkeit zum Metropolis fragen, wird es schwierig. Bei seiner Angabe "ein paar Wochen", lächeln sie und drehen auch schnell wieder ab. Es stört ihn. Beim nächsten Mal sagt er: "Ja so ein paar Monate" und siehe, er kommt schon besser ins Gespräch. Zur Not kann er sich immer herausreden, er würde zu ganz anderen Tageszeiten chatten.
Eine hat einen Hund mit, das gefällt ihm. Das Tier verläuft sich in die Küche und wird von einem mürrischen, affektiert redenden Kellner wieder hinausgeworfen. Der kleine Chatter setzt sich an einen freien Tisch im Saal und betrachtet die Leute. Sehr gemischte Gesellschaft, da sind doch tatsächlich Leute um die 40 dabei... das hätte er nicht gedacht. Er hat sich alle Chatter immer jung und studentenmäßig vorgestellt, aber hier sieht es eher aus, wie auf einer Familienfeier. Einige Chatterinnen tragen Miniröcke (das war mal ein Gag in den News, der ihm sehr gefallen hat), einige tragen noch kürzer als Mini und er starrt verlegen woanders hin. Alle Leute scheinen sich durcheinander zu bewegen, also geht er auch ein wenig herum, ebenfalls mit schräg gelegtem Kopf, um die Nicknamen zu lesen. "Sunmaster" - der Rekordhalter der Onlinezeit. In seiner Vorstellung war das immer ein strahlender Held, mindestens 1.80 groß, breite Schultern.... naja, einen Teil seiner Vorstellungen muss er eben revidieren.
"Zauberin von Oz" - das ist die, die ihm immer hilft, wenn er nicht weiter weiß. Sie schaut so lieb aus und sie spricht sogar mit ihm. Jetzt gefällt es ihm schon besser hier. Das Essen in Essen ist essbar, Pardon, einigermaßen gut. Als die meisten Chatter satt sind, wollen einige tanzen und räumen Tische zur Seite. Der kleine Chatter tanzt nicht gerne, er sieht dabei immer so unbeholfen aus, aber er schaut auch gerne zu. Plötzlich entsteht ein riesiger Trubel und er sieht, wie eine Frau auf einen Tisch gehoben wird - stimmt, jetzt fällt es ihm ein, man hatte ja Tabledancing angekündigt. Voller Vorfreude drängt er sich nach vorne, aber die Frau springt gerade in diesem Moment unter Blitzlichtgewitter vom Tisch. Der Einsatz war wohl doch nicht geplant, schade.
Im Laufe des Abends wird viel getrunken, auch der kleine Chatter trinkt einige Bierchen und unterhält sich danach sehr angeregt mit einigen Chatterinnen und manchmal auch mit Chattern. Den DJ findet er voll in Ordnung, der ist echt professionell und der kleine Chatter schaut ihm bewundernd zu. Wow - so ein DJ in seinem Heimatort und er würde sich nie wieder nach der Großstadt sehnen. Die Stimmung wird immer besser, feuchtfröhlich und manchmal erwischt er auch einen heimlichen Schluck aus der heimlichen Tequila-Flasche, die unter den Tischen kursiert. Und kleine Feiglinge, die mühsam und geheimnisvoll vor den Kellnern versteckt und dann von allen in der Runde lautstark auf den Tisch geklopft werden... Die Kellner stellen sich blind und vor allem taub und so gibt es keinen Ärger.
Bis spät in die Nacht feiern die Chatter, aber so gegen drei fällt der kleine Chatter in sein Bett, von der Feier hört er kaum etwas, er ist viel zu angetrunken. Aber es hat ihm gut gefallen, denkt er beim Einschlafen. Wenn nur "Mädchen19" hier gewesen wäre....
Am "Morgen danach" sitzt ein Großteil der Chatter im Frühstücksraum, alle ohne Button (der kleine Chatter nimmt seinen blitzschnell ab und steckt ihn in die Tasche). Keiner kennt keinen, und irgendwie sehen alle anders aus... das Licht ist erbarmungslos und scheint auf Augenringe, blasse Gesichter und schwere Lider. Kollektivgähnen und nur leise Unterhaltungen. Der kleine Chatter findet nette Aufnahme an einem Tisch, obwohl er nicht einen einzigen Chatter daran mit Namen nennen könnte. Aber das ist nicht so wichtig, der Kellner mit dem Kaffee ist viel wichtiger... Die Kellner sind übrigens die gleichen wie am Abend und von denen sieht auch keiner besser aus als die Chatter. Gefrühstückt wird bis gegen 13.00 Uhr, dann ist Aufbruchstimmung. Alle wünschen sich gute Heimfahrt, knuddeln sich noch mal herzlich, und der kleine Chatter bekommt auch ein paar Knuddel ab, weil ja keiner weiß, dass er noch kein Stammchatter ist. Aber er nimmt sich ganz fest vor, einer zu werden. Jawohl!
.
.
als Gast chatten als Gast chatten ohne anmelden chatten ohne anmelden chatten ohne anmelden chatten chatten ohne anmelden kostenlos chatten kostenlos chatten frei chatten frei chatten frei chatten freier Flirtchat kostenloser Flirtchat cool chatten cool chatten cool chatten kostenlos chatten frei cool chatten kostenlos cool chatten frei flirten kostenlos chatten kostenloser Flirtchat frei Chatten ohne anmelden ohne Anmeldung chatten Chatten ohne registrieren ohne registrieren chatten
Nur ein Chatter
Teil 7
Der kleine Chatter und die Liebe
Nach vielen Wochen und Monaten im Chat und nach der Vereinbarung mit seinen Eltern, die Telefonrechnung künftig selbst zu zahlen, nach ca. 80 Gesprächen und ebenso vielen E-Mails mit Mädchen19 hat es der kleine Chatter endlich geschafft: sie will sich mit ihm treffen!
Er wohnt im Ruhrgebiet, sie wohnt in Süddeutschland. Das heißt sparen, vor allem, weil das meiste Geld für die Telefonrechnung draufgeht. Aber schließlich ist der große Tag da und der kleine Chatter sitzt im Intercity Richtung Süden. Sechs Stunden dauert die Fahrt. Sechs Stunden überlegt er, wie SIE aussehen mag, denn Fotos wollte sie nicht austauschen. In seinem Kopf ist sie zu einer Mischung zwischen Claudia Schiffer und Dornröschen geworden, schön, elegant, groß und einfach umwerfend. Der kleine Chatter ist in sein eigenes Bild von "Mädchen19" so verliebt, dass er sich nicht auf seine Zeitschriften konzentrieren kann. Er träumt von ihr, von der Begegnung und ziemlich viel, wie dieses Wochenende ausgeht und daß er das Hotelzimmer vielleicht gar nicht braucht oder auf Doppelzimmer umbuchen muss. Er überlegt sich, wie er sie mit zu seinen Freunden nimmt und ihn alle bewundern, daß er diese Schönheit aus dem Internet gefischt hat. Beate heißt sie. Ach, Beate...
München Hauptbahnhof. Sie haben sich am Bahnsteig verabredet, ganz vorn, wo die Lokomotive steht. Sein Platz war in der Mitte des Zuges, also muss er noch ein wenig nach vorn laufen. Er ist aufgeregt und hat gleichzeitig Angst, dass er ihr nicht gefallen könnte. Seine Hände sind ganz verschwitzt. Peinlich. Ob er ihr besser nicht die Hand gibt und sie vielleicht gleich in den Arm nehmen soll? Dann merkt sie die feuchten Hände vielleicht gar nicht. Oh Gott! - Hoffentlich riecht er nicht nach Schweiß. Es ist Herbst, kalt draußen, und er hat das Gefühl, in seiner Jacke zu verdampfen. Jetzt ist das vordere Ende des Zugs erreicht. Keine blonde Schönheit in Sicht. Sie ist nicht da! Ich wusste es ja, sie kommt gar nicht erst! Er ist völlig verzweifelt, bleibt stehen und schaut sich um.
Da zupft ihn jemand an der Jacke. "Bist du Markus?". Er dreht sich um, sieht im ersten Moment niemanden und senkt dann seinen Blick. Da steht ein Mädchen, 20 cm kleiner als er, blonde ausgeblichene Dauerwelle. Mehr sieht er nicht, bis sie ihn ansieht, graue Augen hinter Brillengläsern. Er schluckt. "Ich bin Bea" sagt sie leise. Er schluckt noch mal, schluckt all die Illusionen und Bilder hinunter und sagt Hallo. Auf dem Weg zur U-Bahn sieht er sie verstohlen von der Seite an. Sie ist so unscheinbar. Gut, dass er nur zwei Tage in München bleibt, die wird er schon irgendwie überstehen.
Verlegen schweigend bringen sie seine Reisetasche ins Hotel und gehen in ein Café in der Nähe. Jetzt sitzen sie sich gegenüber und der kleine Chatter kann es kaum vermeiden, sie anzusehen. Sein Mädchen19, das so witzig und intelligent mit ihm im Chat geflirtet hat - das soll diese kleine graue Maus sein? Sie rührt angelegentlich in ihrem Kaffee. Dann schaut sie auf und ihm direkt in die Augen. "Du bist enttäuscht" stellt sie fest und senkt den Blick nicht wieder. Irgendwie ist ihm das unangenehm. "Nein, nein" beeilt er sich zu sagen, aber er hört selbst, dass es nicht ehrlich klingt. Sie hört es auch.
Vor lauter Verlegenheit beginnt er zu erzählen, über sich, seinen Job, seine Freunde. Über das Internet, über seine Familie und über seine kleinen Sorgen. Sie hört zu, sie hört richtig zu und ihre Bemerkungen sind nie oberflächlich. Als ihm das klar wird, stockt er und schaut sie wieder an. Sie gefällt ihm schon besser, irgendwie. Und sie lächelt ganz sympathisch. Er bittet sie, von sich zu erzählen und das tut sie auch. Er merkt, dass er ihr gerne zuhört.
Als der kleine Chatter sonntags im Zug nach Hause sitzt, hat er nicht die große Liebe gefunden, die er sich erhofft hat. Keine Traumfrau, mit der er seine Freunde beeindrucken kann. Aber eine gute Freundin, die zuhören kann und die ihn versteht. Der kleine Chatter lächelt. Richtig gute Freunde findet man selten.
© Andrea Kalmer 1999
.
.
als Gast chatten als Gast chatten ohne anmelden chatten ohne anmelden chatten ohne anmelden chatten chatten ohne anmelden kostenlos chatten kostenlos chatten frei chatten frei chatten frei chatten freier Flirtchat kostenloser Flirtchat cool chatten cool chatten cool chatten kostenlos chatten frei cool chatten kostenlos cool chatten frei flirten kostenlos chatten kostenloser Flirtchat frei Chatten ohne anmelden ohne Anmeldung chatten Chatten ohne registrieren ohne registrieren chatten
Kostenloses Blog bei Beeplog.de
Die auf Weblogs sichtbaren Daten und Inhalte stammen von
Privatpersonen. Beepworld ist hierfür nicht verantwortlich.
|
Navigation
Login / Verwaltung
Kalender
|
| Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
So |
| | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |
| 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |
| 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 |
| 28 | 29 | 30 | 31 | | | |
Kategorien
Links
RSS Feed
Blog-Beschreibung
|